Umweltmedizin

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

 
Umweltmedizin ist die Lehre von der Prävention, Diagnose und Behandlung von Erkrankungen, die mit Umweltfaktoren in Verbindung gebracht werden.

  • Die präventive Umweltmedizin beinhaltet umwelthygienische, epidemiologische und präventivmedizinische Schwerpunkte (Wasser-, Boden-, Lufthygiene und Hygiene von Lebensmitteln, Gebrauchs- und Bedarfsgegenständen, Bau- und Siedlungshygiene einschließlich Lärmbeeinflussung, Schutz vor ionisierender Strahlung, gesundheitlicher Verbraucherschutz).
  • Die klinische Umweltmedizin umfasst die medizinische Betreuung von Einzelpersonen mit gesundheitlichen Beschwerden oder auffälligen Untersuchungsbefunden, die von ihnen selbst oder ärztlicherseits auf Umweltfaktoren zurückgeführt werden.

Inhaltsverzeichnis

Der Umweltmediziner

Der Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin

Um nach einem absolvierten Medizinstudium in Deutschland als Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin tätig zu werden, bedarf es einer fünfjährigen Weiterbildungszeit:

Ein Jahr darf bei einem niedergelassenen Arzt abgeleistet werden.

Die Zusatzbezeichnung Umweltmedizin

Als Arzt kann man zudem alternativ auch die Zusatzbezeichnung Umweltmedizin anstreben. Zur Erlangung dieser Zusatzbezeichnung erforderlich sind

  • Anerkennung eines Gebietes oder 4 Jahre anrechenbare Weiterbildungszeit,
  • 1 1/2 Jahre an Weiterbildungsstätte, davon maximal 6 Monate theoretische Weiterbildung, sowie
  • Teilnahme an einem Kurs in Umweltmedizin von 200 Stunden innerhalb von zwei Jahren

In einigen Ärztekammerbezirken ist eine umweltmedizinische Untersuchung Kassenleistung (z. B. in Westfalen-Lippe)

Statistiken

  • Am 1. Januar 2001 waren 431 Hygieniker registriert, von denen 26 niedergelassen waren. 160 übten keine ärztliche Tätigkeit aus.

Besondere Problematik

Ärztliche Tätigkeit im Bereich der Umweltmedizin ist derzeit, auch in Deutschland - nicht zuletzt auch wegen der allgemeinen wirtschaftlichen Problematik-, ein schwieriges, zuweilen hört man auch "gefährliches", Unterfangen. Neben der Aneignung umfangreicher Kenntnisse fast sämtlicher medizinischer Fachrichtungen, ist eine sehr zeitintensive Beschäftigung mit komplexen Zusammenhängen aus vielen Lebensbereichen notwendig. Aufgrund der Vielzahl von möglichen Assoziationen ist eine Art detektivischer Spürsinn eine notwendige Voraussetzung. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Versuche der Einflussnahme stattfinden, sieht sich z. B. ein niedergelassener Umweltmediziner doch durchaus auch mit finanz- und kontaktstarken Unternehmen konfrontiert, die überdies oftmals alleine die genaue Zusammensetzung z. B. eines Produktes kennen, wobei auch Risikoanalysen regelmäßig als Interna betrachtet werden. Ein aktiver Umweltmediziner ist bei Standortanalysen regelmäßig ein wichtiges Kriterium, was auch der jeweiligen örtlichen Administration bekannt ist. Aufgrund der komplexen Zusammenhänge, die, wie bereits angedeutet, (derzeit noch) nicht immer bis ins letzte Detail erfassbar, darstellbar oder gar streng beweisbar sind, hat ein Umweltmediziner es in rechtlichen Auseinandersetzungen, soweit es ein potentielles Opfer medizinisch betreut, besonders schwer: regelmäßig ist simples generelles Bestreiten aller geltend gemachten Zusammenhänge erfolgreich, nicht selten im Zusammenspiel mit einer Abqualifizierung bis hin zur Erweckung des Anscheines der Lächerlichkeit oder im Einzelfall auch des Vorwurfs der Hysterie, wohlgemerkt - nicht nur des potentiellen Opfers, sondern auch des betreuenden Mediziners. Da z. B. Umweltgifte relativ selten in Konzentrationen oder Formen auftreten, die unmittelbar eine Schädigung erkennen lassen, so dass ein Zusammenhang zu einer Beeinträchtigung sich geradezu aufdrängt, ist es, hinsichtlich der Gefahrenabwehr, gelegentlich zwingend notwendig auch ohne strengen Beweis zu handeln. Aber auch bereits bekannte Zusammenhänge werden relativiert, z. B. durch Ansetzen von Schadstoffgrenzwerten, die eher praktischen Erwägungen folgen oder der Verfechtung der Hypothese, dass Stoffe, die mit den derzeitigen Mitteln nicht oder nicht mehr nachweisbar sind, keine negativen Auswirkungen hätten. Durch Einflüsse wie Akkumulation, Dynamik mit anderen umweltbedingten Einflüssen, genetischen Prädispositionen ist eine potentielle Körperverletzung regelmäßig nicht ausgeschlossen, wird aber hingenommen, wobei auch berücksichtigt werden muss, dass der Körper durchaus in der Lage ist, negative Einflüsse zu kompensieren oder sogar deren Folgen zu reparieren. In wirtschaftlich problematischen Zeiten, geht der Trend dahin, dass ein Konkurrent (z. B. auf Staatenebene) mit den niedrigsten örtlichen Umweltstandards faktisch das Maß für alle Mitbewerber setzt und damit auch die Grenzen der Einflussnahme der jeweiligen Umweltmedizin.

Literatur

  • Giselher Schuschke: Sinnesvermittelte Umwelterkrankungen - Umweltwahrnehmung und Gesundheit. Umweltmedizin in Forschung und Praxis 1(2), S. 93 - 101 (1996), ISSN 1430-8681
  • Hans-Peter Hutter, Hanns Moshammer, Peter Wallner: Umweltmedizinische Beratungsstellen: Aktueller Stand in Österreich. Umweltmedizin in Forschung und Praxis 6(1), S. 51 - 54 (2001), ISSN 1430-8681
  • Fritz Schweinsberg: Bedeutung von Quecksilber in der Umweltmedizin - eine Übersicht. Umweltmedizin in Forschung und Praxis 7(5), S. 263-278 (2002), ISSN 1430-8681
  • Jochen, Hardt, Monika Schulze, Werner Ehret: Human-Biomonitoring in der Umweltmedizin: Erfahrungen mit 500 Patienten der Umweltambulanz am Klinikum Augsburg. Umweltmedizin in Forschung und Praxis 9(6), S. 336 - 346 (2004), ISSN 1430-8681
  • Markus Vieten: Berufsplaner Arzt. Via medici-Buchreihe, Thieme Verlag, ISBN 3131161051

Weblinks

home | Ergonomische Beratung | Arbeitsmedizinische Betreuung | Umweltmedizinische Beratung | Arbeitsmedizin generell | Unfallverhütungsvorschrif | eMail: info@arbeitsmedizin-beverungen.de